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1972 in Ostberlin (DDR) geboren, im harmonischen Familienverhältnis aufgewachsen und immer brav in Kindergarten und Schule gegangen. Ansonsten habe fast meine ganze Kindheit auf
Hinterhöfen und in Großstadtparks verbracht. Was man als Kind halt alles so macht. Cowboy und Indianer...
Schöne Zeit!
Meine erste wirkliche Wahrnehmung von Tätowierungen war in meinen ersten Schuljahren. Wir hatten
meist in der letzten Stunde Sport und sind nach schweißtreibenden Übungen
eigentlich fast immer vor dem Nachhausegehen in ein Lokal eingekehrt, um uns ein
Glas Fassbrause für 25 Pfennige zu bestellen. Dort saßen meistens 4 –8
Knastologen an einem Tisch, welche am ganzen Körper und viele von ihnen auch im
Gesicht tätowiert waren.
Das hat uns zwar schon irgendwo Angst gemacht, aber außer Respekt hat man auch
Bewunderung empfunden, weil es nicht alltäglich gewesen ist. In jedem Freibad von Ost-Berlin sah man die blauen verschwommenen
Knasttätowierungen en masse, weil man in der DDR schnell in den Genuss dieser Erfahrung kommen konnte. Das Regime hat schnell zum „Erziehungsmittel Gefängnis“
gegriffen und ist man erst mal „drin“, lassen die ersten eigenen Hautbilder nicht lange auf sich warten. Die Langeweile macht es möglich...
Die Faszination war also früh schon geweckt und irgendwie wollte ich auch so ein Bild haben. Nicht unbedingt groß, aber schon irgendwo ein Kleines. Eines, das
man schnell verstecken kann, so dass es auch die Eltern nicht sehen.
Und so hat man mit 13 und 14 Jahren so seine ersten wackeligen Erfahrungen gemacht. Mit Nadel, Ausziehtusche, Faden und Streichholz; Punkte und Striche ohne Sinn
bei ein bis zwei Kumpels.
Doch richtig fing die Sache dann auch für mich Mitte 1989 im Gefängnis an. Selbe
Sache, selbes Spiel. Viel Langeweile, viele Zeichnungen, viel Interesse und vor
allen Dingen viele Willige. Und weil man schon einige Erfahrungen gemacht hatte,
ging es dann richtig los. Und wirklich ohne Unterlass. Was am Anfang der
Knastzeit noch ein Tattoo pro Woche war, entwickelte sich zum Ende dieser Zeit
bis zu 3 Bilder am Tag. Ich verdiente einiges Geld und fühlte mich in meiner
Rolle wirklich wohl.
Wir tätowierten mit Hand ohne Strom. Man nahm eine Zahnbürste und brach die Bürste
ab. Nun schob man nach dem Erwärmen eines Endes der Zahnbürste eine Nadel
(Bohrer oder zurecht gebogene Stahlbüroklammer) hinein. Dann wurde mittels
eines Sitzhockers ein Stück aus dem Toilettenbecken geschlagen, um mit der
Bruchkante die Nadel anzuschleifen. Nun wurde ein Faden um die Nadel bis zu
einer bestimmten Tiefe gewickelt. Das ganze dann mit Feuerzeug leicht
angekokelt, um Fusseln vom Faden zu entfernen. Eine Brotscheibe war der
Farbkappenhalter und der Deckel einer Zahnpastatube die Farbkappe. Mit
Kopierstift, Rasierschaum und Transparentpapier wurden die Vorlagen auf die Haut
gebracht und es konnte losgehen. Schon kleinste Tattoos haben Stunden gedauert,
aber wir hatten ja Zeit.
1990 wurde ich entlassen und beschnupperte erst einmal das neue System, was uns die Wende
beschert hatte. Zwar fertigte ich noch drei bis vier Tätowierungen im Jahr bei
Freunden und Kumpels an, aber hatte eigentlich dafür nicht soviel Zeit.
Es kamen ganz neue Erfahrungen: Ich sah das erste Mal ein Tattoostudio irgendwo in Westberlin und
war extrem beeindruckend und starr vor Verwirrtheit,
weil ich mit so etwas nicht gerechnet hätte. Da verdient jemand sein Unterhalt
damit! Das war schon komisch für mich. Ich fragte den betreffenden Tätowierer
nach schwarzer „Tattoofarbe“ und wurde des Ladens verwiesen. Mhh, dann halt
nicht...
1991 bis ´92 gab ich fast mein ganzes Geld für Tätowierungen aus. Ich
ließ mir meine ganzen DDR-Tätowierungen überdecken und wurde immer bunter.
Dabei wurde mein altes Interesse wieder geweckt. Ich baute mit Kollegen
Maschinen aus Rasierern und kleinen Motoren, die meistens schnell wieder
auseinander fielen. Aber irgendwie lief es trotzdem. Ich arbeitete wieder viel
mit der Hand und träumte von meiner eigenen Maschine.
Mitte 1992 hatte ich mir bei einem Tattoobedarfshändler dann völlig überteuert eine Maschine und Zubehör
bestellt, die dann kurze Zeit später wirklich meine erste Tattoomaschine wurde. Ich
kann das Gefühl nicht beschreiben, wie glücklich ich war, eine echte Maschine
in der Hand zu halten. Es war ein Traum!!
Die ersten Bilder dann damit 1993 waren ein Desaster. Ich war aufgeregt und hatte
ein gehöriges Talent zum Zittern. Aber ich arbeitete täglich und erarbeitete
mir schnell meine ersten Erfahrungen mit diesem Equipment. Ich baute nächtelang
und stellte fest, dass die Technik dieser kleinen Maschinen ( Abstände, Federstärke,
Hammerhub etc.) fast ausschließlich aus Logik bestand. Man brauchte zwar oft für
ein Problem tagelang, aber irgendwann fiel es wie Schuppen von den Augen und es
war gelöst.
Man staunt immer wieder, wie fanatisch man sich in eine Sache ´reinknien kann!
1994 dann das erste Jahr in Tattoostudios. Erst „Eastside Tattoo“, dann „Tattoo
Art Berlin“...
Dort lernte ich das erstemal, wie man richtig Nadeln lötet und viele viele andere
Dinge. Ich habe in dieser Zeit wirklich von allen, mit denen ich
zusammengearbeitet habe ( Busse, Otto, Pumuckl, Kalle), so viele wichtige
Kleinigkeiten gelernt, dass ich noch heute extrem dankbar dafür bin.
1995 enstand dann mein erstes eigenes Studio namens „Nightmare Tattoo“ in
Berlin- Prenzlauer Berg. In dieser Zeit ereignete sich wohl meine
entscheidendste Bekanntschaft in meiner Tattoolaufbahn:
Ich lernte bei einem Aufenthalt in Wien den Tattooaltmeister Freddy kennen, als ich
mir von ihm ein Bild stechen ließ. Irgendwie verstand man sich auf Anhieb und
so rief man einige Monate später im Dezember 1995 in einer sehr zerfeierten
Nacht die „Tattoovagabunden“ ins Leben. Wir waren so begeistert von dieser
Idee und fuhren ab April 1996 unter diesem Logo von einer Convention zur nächsten.
Ich war begeistert von diesen Veranstaltungen und von den Tätowierern, die man
dabei so kennenlernte. Freddy führte mich in diese Szene ein und hatte einen
großen Anteil daran, dass ich doch scheinbar bekannt wurde.
Wir hatten wirklich viel Spaß bisher, haben so einige Töpfe getrunken und auch
wieder nächtelang an Maschinen, Lötvorrichtungen und anderen Ideen
herumgebastelt und es sind viele nützliche Hilfsmittel für die Arbeit
entstanden.
1998 entstand das noch heute existierende "Nightliner Tattoostudio" in der Wisbyer Straße 71 in Berlin-Prenzlauer Berg. Dort arbeite ich
bis zum heutigen Tage mit ständig wechselnden Gasttätowierern zusammen.
Wer eine Tätowierung von mir möchte, findet mich im Nightliner Tattoostudio in der
Wisbyer Straße 71 in Berlin-Prenzlauer Berg.
Nightliner Tattoo Berlin
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